Neurodermitiskranke Haut braucht mehr als nur Fett
Tägliche
Basispflege lohnt sich messbar
Bonn, 29.04.14 Die tägliche Hautpflege ist bei
Neurodermitis Teil der Therapie. Mit einer Fettcreme allein ist es allerdings
nicht getan. Vielmehr braucht die Haut bestimmte Feuchtigkeitsspeicher und
pflegende Fette, die ihr aufgrund ihrer genetischen Veranlagung häufig fehlen.
Eine Studie1 hat gezeigt: Kinder, deren Haut täglich ausgiebig mit
einer geeigneten Pflege eingecremt wird, haben seltener Schübe, leiden deutlich
weniger unter Entzündungen oder Jucken und schlafen besser.
Die Haut von Neurodermitispatienten ist auch in beschwerdefreien Phasen
viel zu trocken und empfindlich. In der oberen Hautschicht, der Hautbarriere,
fehlen wichtige Stoffe, die für eine intakte Abwehrfunktion der Haut
unerlässlich sind. Eine gesunde Hautbarriere ist wie eine stabile Mauer
aufgebaut, in der Hornzellen die Ziegel, Hornfette und Feuchthaltefaktoren den
Mörtel darstellen. Bei Neurodermitis ist diese Mauer brüchig: Wichtige
Hornfette, vor allem die so genannten Ceramide 1 und
3 sowie das feuchtigkeitsspeichernde Eiweiß Filaggrin,
sind in zu geringer Menge vorhanden. Hierdurch sind die Hornzellen nicht
ausreichend miteinander vernetzt. Die Haut verliert übermäßig viel
Feuchtigkeit, Fremdstoffe wie Allergene oder Bakterien können leicht eindringen
und einen Ekzemschub auslösen. Um das zu verhindern,
müssen Neurodermitispatienten ihrer Haut mit der täglichen
Basispflege die fehlenden Hautbausteine von außen zuführen. Wichtig ist dabei, die
pflegende Lotion oder Creme großzügig aufzutragen und keine Hautpartien
auszulassen. Das ist zeitaufwändig, lohnt sich im Endeffekt aber, wie eine britische
Studie1 mit Kindern zwischen drei Monaten und sechs Jahren zeigt.
Seltener Schübe, weniger Jucken, besserer Schlaf
Den Ergebnissen zufolge
gingen die Symptome drastisch zurück, wenn die Haut zweimal täglich mit einer
für Neurodermitispatienten geeigneten Basispflege versorgt
wurde. Mittels DVD, Tagebuch und
telefonischer Unterstützung wurden die teilnehmenden Familien darin bestärkt, über den Studienzeitraum
von drei Monaten konsequent die empfohlene Menge an Pflegecreme zu verwenden. Im
Ergebnis reduzierte sich die Schwere der Symptome um 70 Prozent, das Jucken
ging um mehr als 40 Prozent zurück, die Zahl an durchwachten Nächten
verringerte sich um 66 Prozent. Die Häufigkeit der Arztbesuche sank im Laufe
des Studienzeitraums um mehr als 90 Prozent.
Für das großflächige
Eincremen, etwa morgens nach dem Duschen und abends vor dem Schlafengehen,
eignen sich am besten Cremes oder Lotionen, die sich gut verteilen lassen und
leicht einziehen. Sie sollten nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen für
die Basispflege der neurodermitiskranken Haut
entwickelt sein, einen hautfreundlichen pH-Wert haben und keine Farb-, Duft-
und Konservierungsstoffe enthalten.
Weitere Informationen zu
den Ursachen und Auslösern der Neurodermitis, zur Reinigung und Pflege der Neurodermitishaut sowie zu medikamentösen und
nicht-medikamentösen Therapien enthält die Broschüre „Basispflege und Therapie
bei Neurodermitis“, herausgegeben von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe
e.V. Der Patientenratgeber kann kostenfrei postalisch oder im Internet
angefordert werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-neurodermitis.de.
(1) Mason et al., “Improved emollient use
reduces atopic eczema symptoms and is cost neutral in infants: before-and-after
evaluation of a multifaceted educational support programme”,
BMC Dermatology 2013,
13:7, http://www.biomedcentral.com/1471-5945/13/7