Vier Monate Konsequenz – Zehn Jahre geringeres Neurodermitisrisiko
Bonn, 27.06.13 Kann die
Ernährung bei erblich vorbelasteten Säuglingen das Neurodermitisrisiko wirklich
beeinflussen? Ja, sie kann – und dies sogar über einen Zeitraum von mindestens
zehn Jahren. Das hat jetzt die aktuelle Auswertung der größten Langzeitstudie1
(GINI) zu diesem Thema gezeigt.
Danach erkranken Kinder, die in ihren ersten vier Lebensmonaten ausschließlich
hypoallergen ernährt worden sind, bis zu ihrem zehnten Lebensjahr deutlich seltener
an Neurodermitis als Gleichaltrige, die während der ersten vier Monate normale
Säuglingsmilch erhalten haben1. Die natürlichste hypoallergene
Ernährungsform ist Muttermilch. Wenn Stillen nicht möglich ist oder die
Muttermilch nicht ausreicht, empfehlen Experten für allergiegefährdete Kinder hypoallergene
Nahrung (HA)2. Dabei sollten Eltern auf einen Wirksamkeitsnachweis
achten, denn die aktuellen Ergebnisse der GINI-Studie zeigen, dass nicht jede
HA-Nahrung gleich gut vorbeugend wirkt. Wer unsicher ist, sollte sich vom
Kinderarzt beraten lassen.
„Konsequenz zahlt sich aus“, rät Erhard
Hacker, Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. „Wer sein Kind in
den ersten vier Lebensmonaten ausschließlich stillt oder mit geeigneter
HA-Nahrung füttert, kann das Risiko für Neurodermitis nachhaltig senken –
mindestens bis zum Ende der Grundschulzeit. Kinder, denen auf diese Weise
Hautentzündungen, quälendes Jucken, Schlaf- und Konzentrationsprobleme erspart
bleiben, werden ihr Leben lang davon profitieren.“ Derzeit leidet jedes fünfte bis
zehnte Schulkind an Neurodermitis. Damit ist die chronisch-entzündliche
Hauterkrankung die häufigste Allergieform im Kindesalter. Als besonders
gefährdet gelten Kinder, in deren Familie mindestens ein Elternteil oder
Geschwisterkind an einer Allergie wie allergisches Asthma, Heuschnupfen oder
Neurodermitis (atopischer Dermatitis) leidet.
Ausführliche und leicht
verständliche Informationen zum Thema Allergievorbeugung enthält die Broschüre
„Allergieprävention und Ernährung“. Sie kann kostenfrei im Internet oder auf
dem Postweg bestellt werden: Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.,
Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de
1 Bei hypoallergen
ernährten Kindern ist die Neurodermitisrate je nach
Art der HA-Nahrung um bis zu 33% niedriger als bei denen, die herkömmliche
Säuglingsmilch erhalten haben. “Allergies
in high-risk school children after early intervention with cow’s milk protein hydrolysates: 10-years results from the German Infant
Nutrition Intervention (GINI) study”, von Berg et al, J Allergy Clinic Immunol 2013, in press
2 Leitlinien zur
Allergieprävention 2009 der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Deutsche Gesellschaft für Allergologie
und Immunologie (DGAKI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutsche
Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Dermatologische
Gesellschaft (DDG), Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA); Infos
unter http://leitlinien.net/ bzw. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm