Drei Regeln für besseren Allergieschutz
Experten geben Ernährungsempfehlungen für Mutter
und Baby
Bonn, 27.03.14 Was sollten Schwangere essen, wenn sie ihr allergisch
vorbelastetes Kind vor Allergien schützen möchten? Welche Nahrung braucht der
Säugling? Hat die Ernährung überhaupt einen Einfluss? Antworten gibt die weltweit größte Studie1 (GINI) zu diesem
Thema, die Allergikerfamilien seit nunmehr zehn
Jahren begleitet. Internationale Experten reagieren jetzt mit konkreten
Ernährungsempfehlungen2 auf die neuesten Ergebnisse. Die Deutsche
Haut- und Allergiehilfe stellt die drei wichtigsten vor:
Erstens: Keine Kompromisse bei der Säuglingsmilch
Bei der Ernährung des
Säuglings in den ersten vier Lebensmonaten lassen die Experten keine Ausnahme
zu. Für allergiegefährdete Kinder gilt: Konsequent hypoallergene
Ernährung von der ersten Mahlzeit an trägt entscheidend dazu bei, insbesondere
das Neurodermitisrisiko zu senken1.
Idealerweise wird das Kind während dieser Zeit voll gestillt. Mütter, die mit
dem Stillen nicht zurechtkommen oder nicht genug Milch haben, sollten auf hypoallergene Säuglingsnahrung (HA-Nahrung) zurückgreifen.
Deren allergievorbeugende Wirkung sollte durch unabhängige wissenschaftliche
Studien wie die GINI-Studie1,2 nachgewiesen
sein. Die amerikanische Allergie-Fachgesellschaft AAAA&I empfiehlt konkret
zwei HA-Nahrungen, die diese Anforderungen erfüllen2. Wer unsicher
ist, kann den Kinderarzt oder die Hebamme nach einer geeigneten
Säuglingsnahrung fragen. Eine Entscheidungshilfe bietet auch das DHA-Siegel,
das an HA-Nahrungen mit wissenschaftlich belegter Wirkung vergeben wird.
Zweitens: Entwarnung für die werdende und stillende Mutter
Schwangeren und stillenden
Müttern wird empfohlen, weitgehend3 normal zu essen. Sie dürfen
ruhig auch Nahrungsmittel mit allergenem Potenzial zu
sich zu nehmen, sofern sie diese selber vertragen. Neben Kuhmilch und Eiern
sind auch Weizen, Soja, Nüsse sowie Fisch erlaubt und erwünscht. Denn es gibt
keine Belege dafür, dass es in Sachen Allergievorbeugung etwas nützt, darauf zu
verzichten. Im Gegenteil: Wenn wichtige Nahrungsmittel wie Milch oder Eier in
der täglichen Ernährung fehlen, besteht das Risiko einer Mangelernährung.
Drittens: Beikost gern auch mit Fisch und Eiern
Babys ab dem vollendeten
vierten, spätestens ab dem sechsten Lebensmonat sollten nach Meinung der
Wissenschaftler Beikost bekommen. Wenn das Kind bereits ein paar Nahrungsmittel
kennengelernt hat und verträgt, sollten Eltern nach und nach auch potenziell allergene Lebensmittel einführen. Die Studienergebnisse
weisen darauf hin, dass diese Vorgehensweise sogar schützt. Eltern sollten das Zufüttern daher nicht aus falscher Vorsicht hinausschieben
und dem Kind Milchprodukte, Eier, Weizen oder Fisch vorenthalten. Lediglich das
Glas Kuhmilch gehört erst nach dem ersten Lebensjahr auf den Speiseplan.
Die wichtigsten Ergebnisse
der Studie sind in kompakter Form in der Broschüre „Allergieprävention und
Ernährung“ zusammengefasst. Sie kann im Internet oder auf dem Postweg kostenlos
bestellt werden: Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) e.V., Heilsbachstraße
32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de. Über den Menüpunkt „Ernährung“
gelangt man auch zu den vollständigen Ernährungsempfehlungen der AAAA&I: http://www.dha-allergien-vorbeugen.de/ernaehrung.html.
1 German Infant
Nutrition Intervention (GINI) study: Bei hypoallergen ernährten Kindern ist die Neurodermitisrate
je nach Art der HA-Nahrung um bis zu 33% niedriger als bei denen, die
herkömmliche Säuglingsmilch erhalten haben. “Allergies
in high-risk school children after early intervention with cow’s milk protein hydrolysates: 10-years results from the German Infant
Nutrition Intervention (GINI) study”, von Berg et al, J Allergy Clinic Immunol Vol 131 (6),
1565-1573.e5, June 2013
2 Die amerikanische Akademie für Allergien, Asthma
und Immunologie (AAAA&I) hat aus den neuesten Ergebnissen der GINI-Studie
konkrete Ernährungsempfehlungen abgeleitet. Für die Ernährung
allergiegefährdeter Säuglinge empfehlen sie zwei Säuglingsnahrungen, die eine
risikomindernde Wirkung hinsichtlich Neurodermitis gezeigt haben:
1. Gerber Good Start Gentle (in Deutschland
Nestlé Beba HA Pre), teilhydrolysierte
HA-Nahrung auf Molkebasis
2. Nutramigen,
extensiv hydrolysierte Casein-Nahrung, nur in
Apotheken erhältlich
D M Fleischer et al, „Primary Prevention of Allergic Disease Through
Nutritional Interventions“, The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In
Practice, Volume 1,
Issue 1 , Pages 29-36, January 2013. http://www.jaci-inpractice.org/article/S2213-2198(12)00014-1/fulltext.
3 Aufgrund der hohen
Infektionsgefahr bilden während der Schwangerschaft alle nicht vollständig
erhitzten tierischen Lebensmittel eine Ausnahme. Dazu gehören Rohmilchprodukte,
Rohwurst wie roher Schinken und Salami, rohes Fleisch
wie beispielsweise Mett, roher Fisch und rohes Ei. Alkohol ist ebenfalls tabu.