Mit dem Haarausfall zurechtkommen
Haarpflege und Kosmetik während und nach der Brustkrebstherapie
Bonn, 20.01.16 Jedes Jahr erkranken in Deutschland
rund 72.000 Frauen an Brustkrebs. Dank wirksamer Bestrahlungs- und
Chemotherapie können 90 Prozent von ihnen geheilt werden. Doch der lange Weg zur
Genesung stellt die betroffenen Frauen vor viele Herausforderungen. Besonders
belastend ist es, wenn Haare, Augenbrauen und Wimpern ausfallen.
Ziel einer Krebsbehandlung
ist es, die Tumorzellen zu zerstören. Dabei ist es unvermeidlich, dass andere
schnell wachsende Zellen in Mitleidenschaft gezogen werden – wie zum Beispiel
die Haarwurzelzellen. Bei chemotherapeutischen Medikamenten zur Behandlung von
Brustkrebs ist diese Nebenwirkung besonders ausgeprägt. Je nach Behandlungsschema
und individueller Veranlagung können Brustkrebspatientinnen während der
Therapie nicht nur ihr Kopfhaar verlieren, sondern auch die Augenbrauen und
Wimpern. Dies ist mehr als ein kosmetisches Problem; viele Frauen leiden enorm
unter der starken Veränderung ihres Erscheinungsbildes.
Wichtig ist es, sich aktiv
auf die Phase des Haarverlusts vorzubereiten. So lassen sich viele Patientinnen
bereits vor Therapiebeginn eine Kurzhaarfrisur schneiden, um sich leichter an
ihr verändertes Spiegelbild zu gewöhnen. Wer eine Perücke tragen möchte, sollte
sich rechtzeitig bei der Krankenkasse erkundigen, in welcher Höhe sie die
Kosten übernimmt. Immer mehr Frauen entscheiden sich gegen eine Perücke und zeigen
ihren Kopf so, wie er ist oder wählen bunte Kappen, Mützen, Hüte oder Tücher.
Im Internet gibt es eine Vielzahl von Ideen und teilweise sehr gut gemachte
Anleitungen für die verschiedenen Bindetechniken. Schminktipps zum Kaschieren
der fehlenden Wimpern und Augenbrauen können betroffene Frauen in Kursen lernen
oder aus Internetvideos abschauen.
Milde Pflege, Geduld und Kräftigung von innen
Durch den radikalen
Haarausfall ist die Kopfhaut besonders empfindlich. Wichtig ist es daher, Kopf
und Haare mit einem sehr milden Shampoo zu waschen und anschließend nur
vorsichtig trocken zu tupfen. Auf keinen Fall sollten Frauen während der
Krebsbehandlung durchblutungsfördernde Shampoos oder Tinkturen verwenden. Da
Chemotherapeutika und begleitende Medikamente die Durchblutung und das Gefäßwachstum
bewusst hemmen, könnten solche Mittel den Behandlungserfolg gefährden. Zudem
können sie den Haarausfall nicht aufhalten. Zur Pflege der trockenen Kopfhaut eignen
sich unparfümierte Cremes oder Öle. Wichtig ist außerdem ein ausreichender
Sonnenschutz.
Nach Abschluss der
Behandlung ist vor allem Geduld gefragt. Haare wachsen etwa einen Zentimeter
pro Monat, und dieser Prozess lässt sich nicht beschleunigen. Es ist aber
möglich, die Struktur des neuen Haars durch Einnahme von Vitamin H zu
kräftigen. Da das sogenannte Haar- und Nagelvitamin nur auf nachwachsende Haare
wirkt, kann es sinnvoll sein, bereits während der Chemotherapie eine Kur in
Form von Vitamin H-Tabletten durchzuführen. Dennoch sind die Haare und
Haarwurzeln in den ersten sechs Monaten nach Beginn des erneuten Haarwachstums
empfindlich. Dauerwellen, Färben und andere belastende Maßnahmen sind daher
nicht zu empfehlen.
Eine Vielzahl weiterer
Informationen und Tipps sowie eine Liste mit hilfreichen Adressen bietet die
Broschüre „Pflege von Haaren und Nägeln bei Brustkrebs“. Sie ist kostenlos und
kann bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. auf dem Postweg oder im
Internet angefordert werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-haareundnaegel.de.