Wenn Stillen nicht geht:

Experten empfehlen industrielle Säuglingsnahrung

Bonn, 19.04.12 Muttermilch ist unbestritten die beste Ernährungsform für Babys. Kinder, die nicht gestillt werden können oder nicht ausreichend satt werden, sollten industriell hergestellte Säuglingsmilch erhalten. Sie erfüllt am besten die strengen Anforderungen an eine optimale Zusammensetzung und Hygiene. Besonders wichtig ist das für Babys mit erhöhtem Allergierisiko.

Muttermilch hat viele Vorteile: Sie ist immer verfügbar, keimfrei, richtig temperiert und optimal auf die Bedürfnisse von Säuglingen abgestimmt. Zudem kann sie keine Allergien gegen Milcheiweiß auslösen, weil der kindliche Organismus sie als körpereigen akzeptiert. Babys, die durch erbliche Vorbelastung ein erhöhtes Allergierisiko tragen, profitieren daher in besonderem Maße von der Muttermilch. Doch welche Ernährungsform ist die beste für den Fall, dass die Mutter nicht stillen möchte, ihre Milch nicht ausreicht oder das Stillen Probleme macht? „Hier gibt es klare Empfehlungen der zuständigen Fachgesellschaften aus den Bereichen Kinderernährung, Kinderheilkunde und Allergien1“, erklärt Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. Danach sollten Babys, die nicht gestillt werden, industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrung erhalten. Sie ist durch die Bezeichnung „Pre“- oder „1“-Nahrung gekennzeichnet. Babys, die aufgrund von Allergien in der Familie ein erhöhtes Allergierisiko tragen, brauchen in den ersten vier Lebensmonaten hypoallergene (HA) Säuglingsmilch, die ihre allergievorbeugende Wirkung in Studien nachgewiesen hat2. Von selbst hergestellter Milchnahrung raten die Experten ab, da sie die strengen Prüfkriterien für Säuglingsnahrung nicht in ausreichendem Maß erfüllen kann. Das betrifft hygienische Aspekte, aber auch die Art und Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Vor allem für allergiegefährdete Babys ist hausgemachte Anfangsnahrung tabu, weil damit eine hypoallergene Ernährung nicht möglich ist. Grundsätzlich ungeeignet ist nach Expertenmeinung außerdem alternative Tiermilch von Schaf, Stute oder Ziege sowie pflanzliche Milchnahrung auf Basis von Soja, Reis oder Mandeln.

Weitere Informationen zum Allergierisiko von Säuglingen und zur hypoallergenen Ernährung sowie allgemeine Ernährungsempfehlungen für Babys und Kleinkinder gibt die Broschüre „Allergieprävention und Ernährung“, erhältlich bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. Sie kann im Internet oder auf dem Postweg kostenlos angefordert werden. Bestelladresse: Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de.

 

1 B. Koletzko · A. Brönstrup · M. Cremer et al., Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter. Handlungsempfehlungen – Ein Konsensuspapier im Auftrag des bundesweiten Netzwerks Junge Familie, Monatsschrift Kinderheilkunde, Sonderdruck Oktober 2010

2Leitlinien zur Allergieprävention 2009 der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAKI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA); Infos unter http://leitlinien.net bzw. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm