Allergenarme Ernährung: Schon eine Ausnahme kann Allergie provozieren

Neugeborenenstation über Allergierisiko informieren

Bonn, 17.12.10 Werdende Mütter sollten die Neugeborenenstation ihrer Entbindungsklinik informieren, wenn ihr Baby wegen einer familiären Vorbelastung allergiegefährdet ist. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass das Neugeborene vom ersten Tag an ausschließlich gestillt wird. Falls dies nicht möglich ist, sollte eine geeignete hypoallergene (HA) Säuglingsnahrung bereitstehen. Herkömmliche Milchnahrung dürfen Babys mit erhöhtem Allergierisiko nicht trinken.

Kinder, in deren naher Verwandtschaft Allergien vorkommen, entwickeln mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 80 Prozent selbst eine Allergie. Im Säuglingsalter richtet sich diese oftmals gegen Nahrungsmittel wie beispielsweise Milcheiweiß. Besonders gefährdet sind Säuglinge unter vier Wochen, weil ihr Darm noch keine Abwehrzellen besitzt, die potenzielle Allergieauslöser in Schach halten könnten. Risikokinder sollten daher von der ersten Mahlzeit an nur Muttermilch bekommen oder, falls Stillen nicht möglich ist, eine hypoallergene (HA) Säuglingsnahrung1. „Ein Fläschchen mit normaler Babynahrung kann alle späteren Bemühungen um eine allergenarme Ernährung zunichtemachen, weil dann bereits eine Sensibilisierung gegen Milcheiweiß erfolgt sein kann“, warnt Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe in Bonn. Werdende Mütter sollten rechtzeitig die zuständigen Säuglingsschwestern über das Allergierisiko ihres Kindes informieren und bitten, bei Stillproblemen HA-Nahrung bereitzuhalten. „Idealerweise handelt es sich dabei um HA-Nahrung, deren schützende Wirkung in unabhängigen wissenschaftlichen Studien2 überprüft wurde. Das ist nicht immer der Fall“, bemerkt Hackler.

Welche Maßnahmen Experten zur Allergievorbeugung empfehlen, was bei HA-Säuglingsnahrung zu beachten ist und was Eltern tun können, wenn bereits eine Nahrungsmittelallergie besteht, beschreibt der Ratgeber „Allergieprävention und Ernährung“. Er ist kostenlos und kann postalisch oder im Internet bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe bestellt werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de

1  Leitlinien zur Allergieprävention 2009 der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAKI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA);

Infos unter http://leitlinien.net/ bzw.

http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm

2 Eine der umfangreichsten unabhängigen Studien hierzu ist die internationale GINI-Studie mit mehr als 2.000 Kindern über einen Zeitraum von sechs Jahren:

Berg A von et al: Preventive Effect of hydrolysed infant formulas persists until age 6 years: Long-term results from the German Infant Nutritional Intervention Study (GINI); Journal of Allergy and Clinical Immunology, Volume 121, 2008