Allergiegefährdete Babys: Der beste Schutz beginnt im Darm

Nur jedes dritte Baby mit Allergierisiko erhält geeignete Fläschchennahrung

Bonn, 14.04.11 Wenn es mit dem Stillen nicht klappt, zum Zufüttern oder nach dem Abstillen: Bereits in den ersten Lebensmonaten bekommen die meisten Babys ihr erstes Fläschchen. Eltern allergiegefährdeter Kinder sollten dafür ausschließlich eine hypoallergene (HA-) Babynahrung auswählen. Nur so lässt sich das Risiko für eine atopische Erkrankung wie Neurodermitis nachweislich senken. Doch nur jedes dritte allergiegefährdete Baby erhält einer Umfrage1 zufolge als erstes Fläschchen eine allergenreduzierte Milchnahrung.

Hypoallergene Säuglingsnahrung mit schonend aufgespaltenem Milcheiweiß, über vier bis sechs Monate ausschließlich gefüttert, kann das allgemeine Allergierisiko im ersten Lebensjahr um 44 Prozent senken. Die Wahrscheinlichkeit, an Neurodermitis zu erkranken, reduziert sich im Vergleich zur herkömmlichen Säuglingsnahrung sogar um mehr als 50 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Meta-Analyse2, also die kritische Auswertung mehrerer Studien zur allergievorbeugenden Wirkung allergenarmer Säuglingsnahrung. Doch auch über das erste Jahr hinaus zeigt hypoallergene Ernährung einen schützenden Effekt – das bestätigen Langzeitbeobachtungen3, in denen Risikokinder bis zu sechs Jahre lang auf allergische Erkrankungen hin untersucht wurden. „Muttermilch ist von Natur aus allergenarm und somit für alle Babys die Ernährungsform erster Wahl“, betont Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. „Doch wenn Stillen nicht möglich ist oder die Muttermilch nicht ausreicht, sollten Eltern die offiziellen Empfehlungen4 zur Ernährung allergiegefährdeter Säuglinge beherzigen. Danach ist hypoallergene Säuglingsnahrung in den ersten Lebensmonaten die einzige sichere Alternative zum Stillen. Allerdings sollte die schützende Wirkung nicht nur angepriesen, sondern auch in Studien bewiesen sein. Denn die weltweit größte Allergiestudie GINI hat gezeigt, dass nicht alle HA-Nahrungen gleich gut vor Allergien schützen5.“

Kinder, deren Eltern oder Geschwister an einer Allergie erkrankt sind, entwickeln mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 80 Prozent ebenfalls eine Allergie – wenn nicht vorgebeugt wird. Eine Allergie gegen Milcheiweiß kommt im Säuglingsalter besonders häufig vor und bildet oftmals den Auftakt für eine Allergikerkarriere mit weiteren Allergieformen wie Neurodermitis oder Asthma. Denn Babys Darm ist im ersten Lebensjahr noch unreif und durchlässig, sodass potenziell allergieauslösende Stoffe wie Milcheiweiß ungehindert passieren können. Die wichtigste Maßnahme, um das Risiko für eine spätere Allergie zu senken, ist daher eine konsequent allergenarme Ernährung in den ersten vier Lebensmonaten. Welche Maßnahmen Experten zur Allergievorbeugung außerdem empfehlen, was bei HA-Säuglingsnahrung zu beachten ist und was Eltern tun können, wenn bereits eine Nahrungsmittelallergie besteht, beschreibt der Ratgeber „Allergieprävention und Ernährung“. Er ist kostenlos und kann postalisch oder im Internet bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe bestellt werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de .

1  Deutschlandweite repräsentative Verbraucherbefragung von 623 Müttern mit Säuglingen im Alter 0-11 Monate durch Mafo (unabhängiges Marktforschungsinstitut) 2009.

2 PMID: 20216095 [PubMed – indexed for MEDLINE] Meta-analysis of the evidence for a partially hydrolyzed 100% whey formula for the prevention of allergic diseases. Curr Med Res Opin.  2010; 26(2):423-37 (ISSN: 1473-4877)

3 -Journal of Pediatric Gastroenterology & Nutrition: April 1997 – Volume 24 – Issue 4 – pp 380-388
-Journal of Allergy and Clinical Immunology, Volume 121, 2008

4 Leitlinien zur Allergieprävention 2009 der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAKI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA); Infos unter http://leitlinien.net/ bzw. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm

5Berg A von et al: Preventive Effect of hydrolysed infant formulas persists until age 6 years: Long-term results from the German Infant Nutritional Intervention Study (GINI); Journal of Allergy and Clinical Immunology, Volume 121, 2008