Säuglingsnahrung nicht nachsüßen
Bonn, 10.08.12 Hypoallergene (HA-) Säuglingsnahrung
ist oftmals weniger süß als nicht behandelte Kuhmilchnahrung oder Muttermilch. Den
meisten Babys schmeckt es trotzdem. Vor allem Säuglinge, die zusätzlich
gestillt werden, lehnen HA-Nahrung allerdings manchmal ab. Auf keinen Fall
sollten Eltern nachsüßen oder leichtfertig auf herkömmliche Säuglingsnahrung
ausweichen. Besser ist es, sich vom Kinderarzt über Alternativen beraten zu
lassen.
Für Säuglinge mit erhöhtem
Allergierisiko empfehlen Experten in den ersten vier Lebensmonaten vorbeugend
eine hypoallergene Ernährung. Muttermilch und
geprüfte HA-Nahrung1 aus dem Handel sind hierfür gleichermaßen
geeignet. Je nach Herstellungsverfahren haben manche HA-Nahrungen allerdings einen
mehr oder weniger bitteren Geschmack. Solange das Baby ausreichend trinkt und
gut gedeiht, müssen sich die Eltern darüber keine Gedanken machen. Verweigert
der Nachwuchs die Nahrung, sollten sie in Absprache mit dem Kinderarzt oder
ihrer Hebamme eine andere HA-Nahrung ausprobieren. „Auf keinen Fall dürfen sie
die Nahrung nachsüßen“, warnt Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Haut- und
Allergiehilfe e.V. Moderne Säuglingsnahrung ist an ihr natürliches Vorbild
Muttermilch angelehnt und enthält alle Nährstoffe in den Mengen, die für eine gesunde
Entwicklung notwendig sind. „Diese Zusammensetzung zu verändern und
beispielsweise Zucker einzurühren wäre fahrlässig“, meint Hackler. Auch
Naturprodukte wie Honig und Ahornsirup sind tabu, denn sie enthalten Spuren des
Bakteriums Clostridium botulinum,
das bei Babys unter einem Jahr lebensbedrohliche Darminfektionen auslösen kann.
Hackler rät außerdem
dringend davon ab, allergiegefährdeten Kindern anstelle von HA-Nahrung herkömmliche
Kuhmilchnahrung zu geben – auch wenn diese nach Empfinden der Eltern besser
schmecken sollte. „Im entscheidenden Zeitfenster von vier Monaten kann bereits
ein Fläschchen intakter Kuhmilch eine Sensibilisierung gegen Milcheiweiß
hervorrufen und so den Weg für eine Laufbahn als Allergiker ebnen.“
In der Broschüre
„Allergieprävention und Ernährung“ finden Eltern wertvolle Informationen zum
Allergierisiko von Neugeborenen, Ernährungsempfehlungen zur Allergieprävention
und Tipps zum Einführen der Beikost. Die Broschüre kann im Internet oder auf
dem Postweg kostenlos bestellt werden: Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA)
e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de.
1HA-Nahrung
sollte in wissenschaftlichen Studien auf ihre allergievorbeugende Wirkung hin
untersucht sein. Die größte unabhängige Studie hierzu ist die GINI-Studie:
Berg
A von et al, Die German Infant Nutritional Intervention Study (GINI) zur
präventiven Wirkung von Hydrolysatnahrungen bei
Kindern mit Allergierisiko. Design und ausgewählte Ergebnisse, Allergologie,
Jahrgang 35, Nr. 1/2012, S. 32–43