Als
Säugling zu viel Eiweiß, als Schulkind zu dick?
Neigung
zu Übergewicht wird schon früh programmiert
Bonn,
09.07.14 Muttermilch hält schlank: Untersuchungen haben gezeigt, dass gestillte
Kinder bis ins Schulalter hinein deutlich seltener zu viel Speck auf den Rippen
haben als Gleichaltrige, die mit traditioneller Fläschchennahrung
gefüttert wurden. Wissenschaftler machen neben anderen Faktoren den im
Verhältnis zur Muttermilch erhöhten Eiweißgehalt der herkömmlichen
Säuglingsmilch dafür verantwortlich. Auch deshalb ist Stillen ist die beste
Wahl zur Ernährung eines Babys. Wenn das nicht oder nur teilweise möglich ist,
sollten Eltern eine im Eiweiß optimierte Säuglingsnahrung füttern. Für
allergiegefährdete Kinder ist das doppelt wichtig, denn es gibt Hinweise, dass
frühes Übergewicht Einfluss auf die Ausbildung von Allergien haben könnte.
Neue Untersuchungsergebnisse1
bestätigen, was Wissenschaftler schon länger vermuten: Babys, die in den ersten
Lebensmonaten mehr Eiweiß als nötig aufnehmen, legen allzu schnell an Gewicht
zu und neigen auch später deutlich häufiger als andere zu Übergewicht. Forscher
gehen davon aus, dass eine übermäßige Eiweißaufnahme den Stoffwechsel schon
sehr früh auf schnelle Gewichtszunahme und die Neigung zu Übergewicht
programmiert. Die genauen Zusammenhänge dieser so genannten
„Frühe-Protein-Hypothese“ sind noch nicht vollständig aufgeklärt, doch scheint
das Wachstumshormon IGF-1 dabei eine Rolle zu spielen. Dass es sich tatsächlich
um eine langfristige Programmierung handelt, stützen die Ergebnisse einer
europäischen Studie2 mit 1.678 Kindern: Noch im Alter von sechs
Jahren sind Kinder, die als Babys – gestillt oder mit eiweißoptimierter
Säuglingsmilch ernährt – eine nur mäßige Menge an Eiweiß aufgenommen haben, in
Sachen Gewicht und Body-Mass-Index besser dran als
diejenigen, die mit eiweißreicher Fläschchennahrung
gefüttert wurden.
Übergewicht früh zu
vermeiden lohnt sich
Dicke
Kinder leiden nicht nur häufig an mangelndem Selbstwertgefühl. Sie tragen auch
ein erhöhtes Risiko für Allergien. Studien zufolge haben übergewichtige
Menschen mit einem Body-Mass-Index von über 25 im
Vergleich zu Normalgewichtigen ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko für
allergisches Asthma2. Aus diesem Grund empfehlen Allergologen und
Kinderärzte in den offiziellen Leitlinien3 zur Allergieprävention,
Übergewicht schon im Babyalter zu vermeiden. Gute Chancen haben Kinder, die in
den ersten vier Monaten voll gestillt werden. Muttermilch enthält immer genau
die Menge an wertvollem Eiweiß (durchschnittlich 1,13 Milligramm pro 100 Milliliter),
die die Kleinen für ein gesundes Wachstum brauchen. Eiweißoptimierte
Säuglingsnahrung bietet einen ähnlich niedrigen Gehalt an hochwertigem Eiweiß
und sorgt bei nichtgestillten Babys für eine altersgerechte Gewichtszunahme.
Kinder, die durch Allergien in der Familie erblich vorbelastet sind, brauchen
eiweißreduzierte HA-Nahrung, bei der das Milcheiweiß schonend in verträgliche
Spaltprodukte zerlegt wurde. Die allergievorbeugende Wirkung sollte durch
wissenschaftliche Studien belegt sein.
Hat
die Ernährung wirklich einen Einfluss auf das spätere Allergierisiko? Was ist
zu tun, wenn es mit dem Stillen nicht klappt? Welche Beikost eignet sich für
allergiegefährdete Kinder? Antworten gibt die
Broschüre „Allergieprävention und Ernährung“, herausgegeben von der Deutschen
Haut- und Allergiehilfe e.V. Die Broschüre ist kostenlos
und kann auf dem Postweg oder im Internet bestellt werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32,
53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de
1
M Weber et al, Lower protein content in infant formula reduces BMI and obesity
risk at school age: follow-up of a randomized trial Am J Clin
Nutr May 2014 99: 5 1041-1051; First published online
March 12, 2014. doi:10.3945/ajcn.113.064071, im Rahmen des European Childhood Obesity Project (CHOP).
2 David A. Beuther and E.
Rand Sutherland, Overweight, Obesity, and Incident Asthma – A Meta-analysis of
Prospective Epidemiologic Studies, Am J Respir Crit Care Med 175, 2007, 661
3 Infos unter http://leitlinien.net/ bzw. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm; Die Leitlinien werden regelmäßig aktualisiert.