Psychische Folgen der Neurodermitis vermeiden
Bonn, 09.06.11 Kinder, die in
ihren ersten Lebensjahren an Neurodermitis leiden, sind als Zehnjährige
häufiger als Gleichaltrige psychisch unausgeglichen. Das hat eine groß
angelegte langjährige Studie gezeigt. Die Experten vermuten, dass der
ekzembedingte Juckreiz und seine Auswirkungen auf Schlaf und Konzentration dabei
eine Rolle spielen. Umso wichtiger ist eine zeitgemäße Therapie, die
Ekzemschüben möglichst vorbeugt.
In Deutschland erkranken 8 bis 16 Prozent der Kinder bis zur Einschulung
an Neurodermitis. Das wesentliche Merkmal der chronisch-entzündlichen
Hauterkrankung sind Ekzeme, die schubweise auftreten und unerträglich jucken
können. In ihrer Not kratzen viele Kinder die betroffenen Hautstellen bis zur
Schmerzgrenze auf. Das Hautbild wird auf diese Weise immer schlechter, das
Selbstwertgefühl leidet. Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme sind an der
Tagesordnung und belasten oftmals die ganze Familie.
Wissenschaftler haben nun in einer Studie herausgefunden, dass
Neurodermitis sich nicht nur während eines Ekzemschubs auf die Psyche auswirken
kann, sondern auch noch Jahre später. So zeigten sich bei den knapp 3.000 untersuchten
Zehnjährigen häufiger Verhaltensauffälligkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen und vor
allem emotionale Schwierigkeiten als bei Kindern, die keine Hauterkrankung
durchgemacht hatten. Dieser Zusammenhang war umso deutlicher, je länger die
Erkrankung fortbestand. Doch auch Kinder, die seit mehreren Jahren schubfrei
waren, zeigten überdurchschnittlich häufig psychische Auffälligkeiten. Die
Forscher vermuten, dass sich die Folgebeschwerden der Neurodermitis wie
Minderwertigkeitsgefühle, Schlafmangel und Konzentrationsprobleme nachhaltig
auf das Seelenleben der betroffenen Kinder auswirken.
Dem Schub zuvorkommen
„Diese Studie zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, konsequent gegen
Ekzemschübe vorzugehen“, betont Erhard Hackler, Vorstand der Deutschen Haut-
und Allergiehilfe in Bonn. „Es genügt nicht, den Juckreiz zu lindern und die
Entzündungen oberflächlich zu bekämpfen. Wichtig ist es auch, so früh wie
möglich dafür zu sorgen, dass es gar nicht zu Ekzemschüben kommt, oder dass sie
zumindest weniger häufig auftreten.“ Das gelingt am besten mit konsequenter
Hautpflege und einer so genannten proaktiven Therapie. Dieser neue
Behandlungsansatz berücksichtigt, dass die Haut bei Neurodermitis ständig eine
erhöhte Zahl von Entzündungszellen aufweist, auch wenn die sichtbaren Zeichen eines
Schubs bereits abgeklungen sind. Werden die betroffenen Hautstellen auch nach
Abheilung des Ekzems für einen begrenzten Zeitraum in niedriger Dosierung
weiterbehandelt, so sinkt nachweislich das Risiko, dass die Erkrankung erneut
aufflammt.
Wie genau eine proaktive
Therapie aussieht, welche Bedeutung die richtige Hautpflege bei Neurodermitis
hat und wie Betroffene den Juckreiz in den Griff bekommen können, erklärt die
Broschüre „Krankheitsbild und neue Behandlungsstrategien der Neurodermitis“, herausgegeben
von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe. Die Broschüre ist kostenlos und kann
postalisch oder über das Internet angefordert werden: DHA e.V., Heilsbachstraße
32, 53123 Bonn, www.dha-neurodermitis.de.
Quelle:
Infant-onset eczema in relation to mental health problems at age 10
years: Results from a prospective birth cohort study (German Infant Nutrition
Intervention plus, The Journal of Allergy and Clinical Immunology Volume 125,
Issue 2, Pages 404-410, February 2010.