Neurodermitis:
Bitte nicht Kratzen: Sechs Strategien gegen das Jucken
Bonn, 06.10.14 Für die meisten Neurodermitispatienten
ist der Juckreiz das quälendste Symptom. Die Folge sind regelrechte
Kratzattacken, die alles nur schlimmer machen: Das Kratzen setzt Botenstoffe
frei, die den Juckreiz verstärken, aufgekratzte Hautstellen entzünden sich
leicht und dienen als Eintrittspforte für Bakterien und Pilze. Wie Betroffene
diesem Teufelskreis entkommen können, erklärt die Deutsche Haut- und
Allergiehilfe e.V.
1.
1. Ekzemen mit
Basistherapie vorbeugen
Neurodermitiskranke Haut ist
genetisch bedingt zu trocken, da ihr wichtige Hornfette und
Feuchtigkeitsspeicher fehlen, vor allem Ceramide und Filaggrin[1].
Wer seiner Haut diese wichtigen Bausteine zweimal täglich in Form einer
Basistherapie zuführt, stabilisiert die Hautbarriere und verbessert ihre
Widerstandskraft. Die Haut ist weniger trocken und es kommt deutlich seltener
zu Ekzemschüben und Hautjucken.
2.
2. Provokationsfaktoren
vermeiden
Ebenso wichtig ist es, alles zu vermeiden,
das die Haut reizt und Ekzemschübe provoziert. Dazu
gehört zum Beispiel eine allzu sorglose Hautreinigung. Schaumbäder und langes
heißes Duschen trocknen die Haut unnötig aus – besser ist eine kurze Dusche
unter lauwarmem Wasser. Reinigungs- und Pflegeprodukte sollten mild sein und die
neurodermitiskranke Haut mit allem versorgen, was sie
braucht. Wichtig ist außerdem eine atmungsaktive Kleidung. Sie sorgt dafür,
dass Schweiß nach außen abtransportiert wird und die Haut nicht reizt. Neurodermitispatienten, die gleichzeitig an einer Allergie
leiden, sollten den für sie problematischen Stoffen möglichst aus dem Weg
gehen. Auch psychische Belastungen können Ekzemschübe
provozieren. Daher ist es wichtig, Strategien zum Abbau von Stress wie zum
Beispiel Sport oder Entspannungsübungen in den Alltag einzubauen.
3.
3. Wellness gegen
den Juckreiz
Ein Bad mit einem gerbstoffhaltigen
Badezusatz entspannt und lindert gleichzeitig die Beschwerden bei juckenden
Ekzemen. Gerbstoffe haben eine adstringierende Wirkung, ziehen also die
obersten Hautschichten zusammen, sodass die Ekzeme weniger nässen. Überdies hemmen
sie Entzündungen und stillen den Juckreiz.
4.
4. Kühlen
Kühlen lindert Juckreiz und
Entzündungsschmerzen. Wer die Pflegelotion für seine tägliche Basistherapie im
Kühlschrank aufbewahrt, profitiert somit doppelt vom Eincreme-Ritual. Bei
starken Beschwerden hilft ein kalter Waschlappen. Noch wirksamer ist es, den
Lappen in kühlem, gerbstoffhaltigem Badewasser zu tränken und gut ausgewrungen
auf die juckenden Ekzeme zu legen.
5.
5. Klopfen oder
Drücken
Besonders für Kinder ist es trotz aller
Maßnahmen nicht leicht, sich nicht zu kratzen. Die Fingernägel sollten daher
kurz gehalten werden. Ein mit Leder bespanntes Holzklötzchen kann als
hautschonende Kratzalternative dienen. Nachts schützen leichte Baumwollhandschuhe
oder spezielle Neurodermitisanzüge.
6.
6. Gut geschult
ist halb gewonnen
Neurodermitispatienten oder ihre Eltern
haben Anspruch auf eine Schulung. Unter der Anleitung von Ärzten,
Ernährungsberatern und Psychologen lernen sie, den Alltag mit Neurodermitis
besser zu meistern. Strategien gegen das Jucken sind ein wichtiger Bestandteil
dieser Kurse. In den meisten großen Städten gibt es entsprechende Angebote. Die
Kosten übernimmt in der Regel die Krankenkasse.
Weitere praktische Tipps und Informationen
rund um die Neurodermitis enthält die Broschüre „Basispflege und Therapie bei
Neurodermitis“. Sie kann kostenfrei postalisch
oder im Internet angefordert werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-neurodermitis.de. Weiterführende
Informationen zu Neurodermitisschulungen gibt es unter
www.neurodermitisschulung.de.