Aktuelle Ergebnisse vom Kinderärztekongress 2003:
Baby-Milchnahrungen beugen Neurodermitis unterschiedlich gut vor

Bonn, 17.09.03. Die richtige Ernährung in den ersten Lebensmonaten spielt besonders bei Babys mit erhöhtem Allergierisiko eine wichtige Rolle. Mütter, die nicht stillen können, sollten ihrem Allergie gefährdeten Säugling daher eine hypoallergene Milchnahrung geben. Sinnvoll ist allerdings nur eine H.A. Nahrung, die ihre Allergie vorbeugende Wirkung in Studien bewiesen hat, wie die jetzt veröffentlichten Ergebnisse einer dreijährigen Studie zeigen. Danach können eine schwach aufgespaltene hypoallergene Molkenahrung sowie eine Spezialnahrung auf Caseinbasis das Risiko für Neurodermitis um bis zu 50 Prozent senken. Stark aufgespaltene H.A. Molkenahrung zeigt den Studiendaten zufolge hingegen keine Wirkung in puncto Allergievorbeugung.

Neurodermitis ist im Kindesalter die häufigste atopische Erkrankung – rund zehn Prozent der Kinder leiden daran. Die Neigung zur Ausbildung der chronisch entzündlichen Hauterkrankung wird vererbt; so haben Kinder, deren Eltern an Heuschnupfen oder allergischem Asthma leiden, ein 40 bis 60prozentiges Risiko für eine Neurodermitis. Noch höher ist das Erkrankungsrisiko, wenn Eltern oder Geschwister selbst an Neurodermitis leiden. Eine hypoallergene (H.A.) Babynahrung in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten kann jedoch dazu beitragen, das kindliche Neurodermitisrisiko zu senken. Welche H.A. Nahrung diesem Anspruch tatsächlich gerecht wird, zeigen die Drei-Jahresergebnisse einer Studie1 mit mehr als 900 Babys aus Allergikerfamilien (German Infant Nutritional Intervention Program, kurz „GINI“).

H.A. ist nicht gleich H.A.

In der Studie schnitt hypoallergene Babynahrung auf Kuhmilchbasis, bei der lediglich ein Teil der potentiell Allergie auslösenden Eiweißstoffe in kleine Bruchstücke aufgespalten ist (schwaches Molkehydrolysat), deutlich besser ab als eine stark aufgespaltene Milchnahrung auf Molkebasis (starkes Molkehydrolysat): Letztere hatte keinen nennenswerten Einfluss auf das Neurodermitisrisiko; das schwache Molkehydrolysat hingegen senkte bei Kindern, deren Eltern an Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergie oder allergischem Asthma leiden, das Neurodermitisrisiko im Vergleich zur herkömmlichen Kuhmilchnahrung um rund 50 Prozent. Die gleiche Wirkung zeigte auch eine stark behandelte Nahrung auf Caseinbasis, die in Apotheken erhältlich ist. Bei den Kindern, in deren naher Verwandtschaft Neurodermitis bereits vorkommt, wirkte auch das schwache Molkehydrolysat nicht vorbeugend – hier konnten die Wissenschaftler nur bei der Spezialnahrung auf Caseinbasis einen Effekt feststellen.

H.A. Nahrung, wenn Stillen nicht geht


Die beste Ernährung für Kinder in den ersten Lebensmonaten ist nach wie vor Muttermilch, da sie optimal zusammengesetzt und von Natur aus arm an potentiellen Allergieauslösern ist. Teilweise hydrolysierte Säuglingsnahrung auf Molkebasis ist in ihrer Zusammensetzung der Muttermilch eng nachempfunden und somit eine Alternative für Mütter, die nicht oder nicht voll stillen können. Seit neuestem gibt es diese Nahrung als probiotische Variante, die der Muttermilch durch ihren positiven Einfluss auf die kindliche Darmflora noch näher kommt.

Quelle: A. v. Berg, „German Infant Nutrition Intervention Studie (GINI): Neue Erkenntnisse“, Satellitensymposium „Aktuelle Ernährungsfragen“, 99. Kinderärztekongress, 11.-14.09.03, Bonn


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