Dicke Kinder neigen eher zu Allergien

Zu viel Babyspeck kann nicht nur späteres Übergewicht, sondern auch Allergien fördern

Bonn, 31.08.10 Junge Eltern sollten darauf achten, dass ihr Säugling nicht allzu viel Babyspeck ansetzt. Denn pummelige Babys werden später leichter übergewichtig als solche, die sich mit dem Zunehmen mehr Zeit lassen. Das ist nicht nur im Hinblick auf die allgemeine Gesundheit wichtig: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Übergewicht auch ein Risikofaktor für die Ausbildung von Allergien ist.

Aus diesem Grund empfehlen Allergologen und Kinderärzte in den offiziellen Leitlinien1 zur Allergieprävention, Säuglinge in den ersten Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. Studiendaten2 zeigen, dass gestillte Kinder bei gleichem Wachstum langsamer an Gewicht zulegen und später seltener zu Übergewicht neigen als Babys, die herkömmliche Fläschchennahrung bekommen. Eiweißreduzierte Säuglingsnahrung2 sorgt ähnlich wie Muttermilch für eine gemäßigte Gewichtszunahme und ist daher eine Alternative für Mütter, die mit dem Stillen nicht zurechtkommen. Bei erhöhtem Allergierisiko sollten diese Familien allerdings auf die hypoallergene (H.A.)-Variante zurückgreifen, bei der das Milcheiweiß schonend in verträgliche Spaltprodukte zerlegt wurde.

BMI unter 25 senkt Allergierisiko

Die Auswertung sieben verschiedener Studien3 mit mehr als 300.000 Teilnehmern hat gezeigt, dass übergewichtige Menschen mit einem Body-Mass-Index von über 25 ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko für allergisches Asthma haben als Normalgewichtige. Noch deutlicher fällt dieses Ergebnis bei stark Übergewichtigen mit einem Body-Mass-Index von über 30 aus: Sie tragen ein fast doppeltes Risiko, an allergischem Asthma zu erkranken. Eine andere Studie4 lässt bei übergewichtigen Kindern einen deutlich höheren Immunoglobulin (IgE)-Spiegel erkennen als bei Normalgewichtigen. IgE ist ein Antikörper, der auf das Vorliegen von Allergien hindeutet. Noch ist der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Allergierisiko nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftler vermuten, dass entzündungsvermittelnde Botenstoffe eine Rolle spielen, die von Fettgewebe produziert werden.

Warum hat die Ernährung Einfluss auf das spätere Allergierisiko? Worauf ist zu achten, wenn es mit dem Stillen nicht klappt? Wie führe ich bei meinem allergiegefährdeten Kind die Beikost richtig ein? Antworten auf diese und andere Fragen gibt die Broschüre „Allergieprävention und Ernährung“, herausgegeben von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. Die Broschüre ist kostenlos und kann auf dem Postweg oder im Internet bestellt werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de

1 Infos unter http://leitlinien.net/ bzw. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm

2 Berthold Koletzko et al., Lower protein in infant formula is associated with lower weight up to age 2 y: a randomized clinical trial,  Am. J. Clinical Nutrition, online vorab, April 2009

3 David A. Beuther and E. Rand Sutherland, Overweight, Obesity, and Incident Asthma – A Meta-analysis of Prospective Epidemiologic Studies, Am J Respir Crit Care Med 175, 2007, 661

4 Visness, Cynthia M., et al., Association of obesity with IgE levels and allergy symptoms in children and adolescents: Results from the National Health and Nutrition Examination Survey 2005-2006, Journal of Allergy and Clinical Immunology May 2009. 123(5): 1163-69