Neue Strategie in der Neurodermitistherapie

Dem Schub zuvorkommen

 

Bonn, 22.06.09 Aktuelle Studien zu Neurodermitis haben gezeigt: Mit einer neuen Behandlungsstrategie können Patienten ihre Hauterkrankung besser kontrollieren und die Anzahl der Schübe deutlich senken.

Trockene, rissige Haut, juckende Ekzeme und fast unbeherrschbare Kratzattacken: Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Neurodermitis. Die chronisch-entzündliche Hauterkrankung ist unberechenbar; selbst aufmerksame Patienten können zumeist nicht vorhersehen, wann es wieder zum Aufflackern der Ekzeme kommt. Sie geraten in einen Teufelskreis aus Frustration, Behandlung und Angst vor dem nächsten Schub, der oftmals kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Jetzt haben Wissenschaftler einen neuen Behandlungsansatz entwickelt, der längere erscheinungsfreie Phasen bewirkt und die Anzahl der Krankheitsschübe deutlich senkt.

Auch in schubfreien Phasen weist Haut Entzündungszeichen auf

Die so genannte proaktive Therapie basiert auf der Erkenntnis, dass sich die Haut von Neurodermitispatienten auch in schubfreien Zeiten selbst bei guter Pflege von der gesunden Haut unterscheidet: Sie weist dann eine so genannte subklinische Entzündung auf, die zwar nicht sichtbar ist, aber anhand einer erhöhten Zahl von Entzündungszellen gemessen werden kann. Die Haut befindet sich sozusagen in einer Warteposition: Eine stressige Prüfung, ein kratzender Pullover oder ein falsches Nahrungsmittel können ausreichen, um ein erneutes Aufflackern der Erkrankung auszulösen. Bislang wurden die akut entzündeten Hautstellen mit Cortisonsalbe oder immunmodulierenden Substanzen behandelt, während zwischen den Schüben die Basispflege mit Feuchtigkeit spendenden Cremes im Vordergrund stand. Im Rahmen der proaktiven Therapie behandeln die Patienten nach Abklingen eines Krankheitsschubes die vorher befallenen Hautstellen zweimal wöchentlich mit der Salbe weiter, um auch die nicht sichtbare Entzündung in der Haut längerfristig zu kontrollieren und so die Gefahr eines weiteren Schubes zu senken.

Studien zeigen: Deutlich weniger Schübe

In zwei zwölfmonatigen Studien mit jeweils mehr als 250 neurodermitiskranken Erwachsenen beziehungsweise Kindern wurden beide Therapieansätze miteinander verglichen. Die Patientengruppe, die nach der neuen Strategie behandelte, profitierte in mehrfacher Hinsicht: Bei den Kindern betrug die mittlere Zeit bis zum nächsten behandlungsbedürftigen Schub knapp 300 Tage anstelle von 56 Tagen. Erwachsene waren mit der neuen Strategie im Mittel 142 Tage beschwerdefrei - im Vergleich zu 15 Tagen mit der herkömmlichen Therapieweise. Während dort 30 Prozent der Patienten im Studienzeitraum von einem Jahr keinen Schub mehr erlitten, blieben mit der proaktiven Therapie 50 Prozent der Kinder und 57 Prozent der Erwachsenen ein Jahr lang von einem weiteren Ekzemschub verschont. Dabei war der Salbenverbrauch im Durchschnitt nicht höher, als wenn nur die akuten Ekzeme behandelt wurden. Besonders profitierten Patienten mit schwerer Neurodermitis von der neuen Behandlungsstrategie - sie benötigten bei besserem Ergebnis während der zwölf Monate weniger wirkstoffhaltige Salbe als die Vergleichsgruppe.

Nähere Informationen rund um Neurodermitis und die proaktive Behandlungsweise gibt es bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe (DHA) e.V.: Die Broschüre „Krankheitsbild und neue Behandlungsstrategien der Neurodermitis“ ist gratis und kann auf dem Postweg oder im Internet bestellt werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-neurodermitis.de. Die Broschüre steht auch als Download zur Verfügung.

1. Thaçi et al., British Journal of Dermatology 2008 159, 1348-1356

2. Wollenberg et al., Allergy 2008: 63: 742-750