Schlimmer als Schmerz
Unerträglicher Juckreiz
kann Patienten mit Neurodermitis zermürben
Bonn, 18.04.07
Erschöpft und gereizt – so fühlen sich viele Menschen mit schwerer
Neurodermitis, wenn nächtliche Juckkrisen ausreichend Schlaf verhindern. Etwa
800.000 Patienten sind in Deutschland so schwer erkrankt, dass äußerliche
Behandlungen selten den gewünschten Erfolg bringen. Um den kaum beherrschbaren
Juckreiz dennoch zu stoppen, kann in vielen Fällen eine Immuntherapie helfen.
Kratzattacken können Menschen mit Neurodermitis den Schlaf
rauben, denn nachts quält der nervenzermürbende Juckreiz besonders. Um ihm zu
entkommen, kratzen viele ihre Haut regelrecht blutig, bis der Schmerz den
Juckreiz überlagert. Der Schmerz bringt zwar vorübergehend Erleichterung, ist
langfristig aber
ein Teufelskreis: Je mehr man kratzt, desto mehr juckt es, da
Kratzverletzungen zu neuen Ekzemen und verstärktem Juckreiz führen. Doch
Kratzen ist ein natürlicher Reflex,
den man willentlich kaum bezwingen kann. Menschen mit starker Neurodermitis
können, selbst wenn sie es sich fest vornehmen, das Kratzen an der juckenden
Stelle nur schwer unterdrücken.
Warum
juckt es?
Schon auf kleinste und für gesunde Menschen harmlose
Reize reagiert das Immunsystem von Neurodermitikern besonders stark. Es
schüttet Botenstoffe wie Histamin aus, die bei Allergikern die
typischen Reaktionen auslösen: Die Haut rötet sich, brennt und juckt unerträglich.
Auch Kratzen bewirkt, dass weitere Botenstoffe ausschüttet werden und die Haut
immer stärker juckt.
Neurodermitis mit kaum beherrschbarem Juckreiz ist ein
schweres Leiden, das behandelt werden muss. Zeigen äußerliche Behandlungen
keinen Erfolg, kann Betroffenen häufig mit einer Immuntherapie geholfen werden.
Immunsuppressiva wie Ciclosporin unterbrechen frühzeitig die Reaktionskette,
die zur Freisetzung der entzündungs- und juckreizfördernden Botenstoffe führt. Mit
großem Erfolg: Die Rate der Patienten, die nicht auf eine Ciclosporintherapie¹
ansprechen, wird lediglich mit 7 Prozent angegeben.
Über die Möglichkeiten der Therapie bei schwerer
Neurodermitis informiert die Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) mit der
Patientenbroschüre "Immuntherapie - Behandlung schwerer Psoriasis und
Neurodermitis". Das Heft ist kostenlos und kann im Internet unter www.dha-immuntherapie.de
abgerufen werden.
1) Berth-Jones J. Br J Dermatol 136: 76-81 nach Hautarzt 10/2003