Berufsbedingte Hauterkrankungen

Damit Handekzeme nicht zur Arbeitsunfähigkeit führen

Bonn, 07.10.10  Hauterkrankungen rangieren unter den berufsbedingten Krankheiten ganz oben1. Besonders verbreitet ist das chronische Handekzem, das unter anderem durch den täglichen Kontakt mit Wasser oder hautreizenden Substanzen entstehen kann. Friseure, Bäcker, Pflege- und Reinigungskräfte, Metallarbeiter, Fliesenleger und Maurer trifft es am häufigsten.

Rund 10 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden zumindest vorübergehend an einem Handekzem. Die Hautentzündung ist nicht ansteckend, kann aber derartig jucken und schmerzen, dass alltägliche Handgriffe zur Qual werden. Fast dreißig Prozent der Betroffenen können aufgrund der Beschwerden ihren Beruf nicht ausüben, zwölf Prozent sind mehr als drei Monate arbeitsunfähig. Gefährdet sind vor allem Berufstätige, die eine Feuchtarbeit verrichten oder reizenden Substanzen wie Kühlschmiermitteln, Zement oder Lösungsmitteln ausgesetzt sind. Um Arbeitnehmer vor berufsbedingten Hautschäden zu schützen und eine Arbeitsunfähigkeit zu verhindern, sind in bestimmten Betrieben Hautschutzmaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben2,3.

Arbeitgeber in der Pflicht

Arbeitgeber sind verpflichtet, ihren Mitarbeitern Handschuhe aus Baumwolle oder allergenarmem Kunststoff, milde Hautschutz- und Hautpflegesalben sowie hautschonende Reinigungsmittel zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sind sie dazu angehalten, soweit möglich organisatorische Schutzmaßnahmen zu ergreifen, wie etwa einen Wechsel zwischen Feucht- und Trockenarbeit. Ferner müssen sie individuelle Hautschutzpläne erarbeiten und ihre Angestellten mindestens einmal jährlich über die Bedeutung von Hautschutzmaßnahmen informieren2. Die Arbeitnehmer sind ihrerseits gefordert, die in den Hautschutzplänen dargestellten Maßnahmen zu befolgen3 und bei Hautproblemen frühzeitig den Betriebs- oder Hautarzt aufzusuchen.

Behandlung nach Stufenplan führt oftmals zum Erfolg

Wird ein Handekzem diagnostiziert, gilt es, die Auslöser zu finden und durch entsprechende Schutzmaßnahmen möglichst auszuschalten. Gleichzeitig muss ein individueller Therapieplan erarbeitet werden. Der Grundpfeiler ist eine konsequente Hautpflege mit einer rückfettenden Creme oder Salbe ohne Parfüm- und Konservierungsstoffe. Mitunter klingen leicht ausgeprägte Handekzeme auf diese Weise bereits ab. In vielen Fällen ist jedoch eine weitergehende Therapie notwendig, beispielsweise in Form von Handbädern, kortisonhaltigen Salben oder einer Lichttherapie. Für schwere chronische Verlaufsformen, die länger als drei Monate nicht abheilen, gibt es dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse gute Behandlungschancen4,5 mit dem Wirkstoff Alitretinoin. Der speziell für das Handekzem entwickelte Arzneistoff wirkt innerlich und ist als Tablette erhältlich.

Ausführliche, gut verständliche Informationen rund um das Handekzem haben Dr. Sonja Molin und Professor Dr. Thomas Ruzicka von der Dermatologischen Universitätsklinik in München zusammengestellt: Die Patientenbroschüre „Chronisches Handekzem“ informiert über das Krankheitsbild, Auslöser, diagnostische Methoden sowie klassische und neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Broschüre ist kostenlos und kann postalisch oder im Internet bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe angefordert werden: DHA e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-handekzem.de.

 

Quellen:

1 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit, anerkannte Berufskrankheiten und neue Berufskrankheitenrenten im Jahr 2003 [1], Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 38, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, Robert Koch Institut

2 § 12 Arbeitsschutzgesetz

3 § 14 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1)

4 Thomas L. Diepgen et al., Management von Handekzemen – Leitlinie, JDDG 7 (S3), 2009

5 T. Ruzicka et al., Efficacy and safety of oral alitretinoin (9-cis retinoic acid) in patients with severe chronic hand eczema refractory to topical corticosteroids: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial, Br J Dermatology 2008; 158: 808