Hypoallergene Babynahrung für allergiegefährdete Kinder

Allergieschutz muss in Studien bewiesen sein

Bonn, 04.03.10 Babys sollten in den ersten Lebensmonaten ausschließlich gestillt werden – besonders dann, wenn sie aufgrund einer familiären Vorbelastung ein erhöhtes Allergierisiko haben. Gibt es beim Stillen Probleme, so empfehlen Experten1 in einer aktuellen Leitlinie zur Allergieprävention alternativ eine hypoallergene (HA) Säuglingsnahrung. Diese muss ihre schützende Wirkung allerdings in seriösen Langzeitstudien bewiesen haben.

Immer mehr Kinder in den westlichen Industrieländern leiden an einer Allergie. So entwickeln in Deutschland bis zu 19 Prozent der Kinder ein atopisches Ekzem, rund 20 Prozent leiden an allergischem Schnupfen. Die Neigung, im Laufe des Lebens eine Allergie zu entwickeln, wird vererbt. Umso wichtiger ist es, bei familiär vorbelasteten Kindern alles zu tun, was dieses erhöhte Allergierisiko mindern kann. So empfehlen die zuständigen medizinischen Fachgesellschaften1, mindestens vier Monate lang ausschließlich zu stillen. Muttermilch wird vom kindlichen Organismus als körpereigen angesehen und kann daher keine Allergie auslösen. Mütter, die mit dem Stillen nicht zurechtkommen, sollten den offiziellen Leitlinien1 zufolge alternativ eine hypoallergene (HA) Säuglingsnahrung füttern. Hier wurde das Kuhmilcheiweiß in einem schonenden Verfahren in kleine Bausteine zerlegt, um die Allergie auslösenden Eigenschaften zu minimieren.

Auf Nummer Sicher gehen

Eltern sollten allerdings darauf achten, dass die HA-Nahrung ihre allergievorbeugende Wirkung möglichst umfangreich in unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungen bewiesen hat. Eine der wichtigsten ist die internationale GINI-Studie2: Im Rahmen dieser Langzeitstudie wurden mehr als 2.000 Kinder über einen Zeitraum von sechs Jahren auf mögliche Anzeichen einer Allergie hin untersucht. Sie waren im Säuglingsalter entweder gestillt worden oder hatten – wenn Stillen nicht möglich war – eine der vorgegebenen hypoallergenen Babynahrungen erhalten. Das Ergebnis: Eine HA-Nahrung minderte das Allergierisiko in den untersuchten Zeiträumen über ein, drei und sechs Jahre gleichermaßen deutlich. Eine andere HA-Nahrung zeigte hingegen in den ersten drei Lebensjahren keine schützende Wirkung. Danach kommt es bei HA-Nahrung nicht darauf an, das Milcheiweiß möglichst stark zu verkleinern. Vielmehr ist entscheidend, dass es an den richtigen Stellen gespalten wird. 

Sojamilch keine Alternative

Mitunter wird Sojamilch als Alternative zu Säuglingsnahrung auf Molkebasis verwendet. Einen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit von Sojamilchnahrung zur Allergieprävention gibt es allerdings nicht. Ebenso fehlen seriöse Belege für einen allergiepräventiven Nutzen anderer Tiermilch, beispielsweise von Stute, Ziege oder Schaf. Die medizinischen Fachgesellschaften raten daher von diesen alternativen Milchnahrungen zur Allergieprävention ab1. 

Wie es zur Ausbildung von Allergien kommt, warum Muttermilch am allerbesten davor schützt und worauf es bei gekaufter Babynahrung ankommt, verrät die Broschüre „Allergieprävention und Ernährung“. Sie ist kostenlos und kann auf dem Postweg oder im Internet bestellt werden: Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dha-allergien-vorbeugen.de.  

Literatur:

1 Leitlinien zur Allergieprävention 2009 der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAKI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA);

Infos unter www.leitlinien.net bzw. www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm

2 Berg A von et al: Preventive Effect of hydrolysed infant formulas persists until age 6 years: Long-term results from the German Infant Nutritional Intervention Study (GINI); Journal of Allergy and Clinical Immunology, Volume 121, 2008