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Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen kurz die Hintergründe Ihrer Erkrankung erläutern und aufzeigen, mit welchen Therapien und aktuellen Behandlungsstrategien sich der Hautzustand langfristig verbessern und Ekzemschübe wirkungsvoll verhindern lassen.


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www.dha-neurodermitis.de

Hauterkrankungen

Neurodermitis

Rätselhaftes Immunsystem

Chronisch entzündliche Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Neurodermitis stellen für die Betroffenen eine starke körperliche wie seelische Belastung dar. Eine Heilung dieser Hautkrankheiten ist bislang nicht möglich, so dass sich die Therapie auf eine Linderung der Symptome beschränken muss. Bei Patienten, die unter schweren Formen der Psoriasis oder Neurodermitis leiden, stoßen die üblichen Salbenbehandlungen oder auch Bade- und Lichttherapien oft an ihre Grenzen. Eine deutliche und langfristige Verbesserung des Hautzustandes lässt sich daher mit diesen äußerlichen Therapien nicht immer erzielen. Auch wenn man immer noch nicht die Ursachen der Psoriais und Neurodermitis in allen Einzelheiten kennt, so weiß man heute doch schon sehr genau, welche immunologischen Abläufe zum Ausbruch dieser chronisch entzündlichen Hauterkrankungen führen. Dies macht es möglich, Substanzen zu entwickeln, die das Immunsystem an gezielten Stellen hemmen und auf diese Weise den Krankheitsverlauf deutlich abschwächen oder sogar zum Abklingen bringen können.

Was ist Neurodermitis?

Rote entzündliche Hautstellen, nässende Bläschen und Schuppung, begleitet von heftigem Juckreiz sind die typischen Symptome einer Neurodermitis. Die Neurodermitis, auch als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bezeichnet, gehört zu den Erkrankungen des atopischen Formenkreises. Der Begriff Atopie beschreibt die genetische Veranlagung, auf bestimmte Umweltstoffe überempfindlich zu reagieren. Im Falle der Neurodermitis äußert sich die Überempfindlichkeitsreaktion in Form der oben beschriebenen Hautveränderungen. Die Neurodermitis tritt schubweise auf. Der Zeitpunkt des Auftretens und der Schweregrad der Erkrankung hängt von verschiedenen Faktoren ab, auf die jeder Neurodermitiker ganz individuell reagiert. Zu den Provokationsfaktoren zählen Allergene, Nahrungsmittel, Umweltgifte und chemische Einflüsse, Klimafaktoren, mechanische Faktoren, Infektionen sowie psychische Belastung und Stress.

Neurodermitis und Immunsystem

Bei Neurodermitis sind die Ursachen der Erkrankung bislang nicht in allen Einzelheiten bekannt. Ähnlich wie bei der Psoriaisis handelt es sich um eine Störung des Immunsystems. Allerdings richtet sich die Abwehrreaktion nicht gegen körpereigene Zellen, sondern gegen harmlose Fremdstoffe, die irrtümlich als gefährlich eingestuft werden.

Die Reaktionskette läuft zunächst ganz ähnlich ab: Die Langerhanszellen binden die Fremdstoffe, in der Fachsprache als Antigene bezeichnet, und präsentieren Teile davon den T-Zellen. Die T-Zellen setzen daraufhin verschiedene Botenstoffe frei. Unter anderem regen diese Botenstoffe andere weißen Blutkörperchen, die B-Zellen, dazu an, spezielle Antikörper gegen die Antigene zu bilden. Man spricht nun von einer spezifischen Immunreaktion. Die Antikörper, bezeichnet als Immunglobulin E, kurz IgE-Antikörper, setzen sich auf der Oberfläche der Mastzellen fest. Kommen sie dort mit dem passenden Antigen in Kontakt, so schüttet die Mastzelle den Entzündungsstoff Histamin aus. Darüber hinaus spielen von den T-Zellen ausgeschüttete Zytokine und verschiedene gewebsschädigende Substanzen bei der Auslösung und Aufrechterhaltung der Entzündung eine große Rolle. Außerdem ist bekannt, dass die Psyche einen starken Einfluss auf die immunologische Reaktion bei Neurodermitis hat. Bestimmte Nervenbotenstoffe, die Neuropeptide, werden bei psychischen Belastungen vermehrt ausgeschüttet. Offenbar haben diese Nervenbotenstoffe einen direkte Wirkung auf die Langerhanszellen und andere Immunzellen und regen diese zur verstärkten Aktivität an.

Therapie

Bei der Behandlung von Hautkrankheiten wird zunächst immer versucht, die Erkrankung mit einer direkten äußerlichen Therapie der betroffenen Hautregionen in den Griff zu bekommen. Die äußerlichen Therapien in Form von Cremes, Salben, Tinkturen, Bädern oder auch UV-Licht-Therapien haben den Vorteil, dass die Wirkstoffe direkt an ihren Bestimmungsort gelangen und den gesamten Organismus weniger belasten.

  • Antihistaminika: Antihistaminika lindern den Juckreiz bei Neurodermitis. Sie blockieren die Wirkung des aus den Mastzellen freigesetzten Histamins, das an der Juckreizentstehung beteiligt ist. Neuere Antihistaminika wirken zusätzlich entzündungshemmend und tragen so dazu bei, andere Medikamente wie Cortisoncremes und -salben zu reduzieren. Außerdem weisen neuere Antihistaminika ein verbessertes Sicherheitsprofil auf (beispielsweise machen sie nicht mehr müde).
  • Cortison: Cortisonsalben werden bei akuten Neurodermitisschüben wegen ihrer stark entzündungshemmenden Wirkung eingesetzt. Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das vielfältige regulative Funktionen im Stoffwechsel und im Immunsystem übernimmt. Die neuere Generation der Cortisonsalben ist besonders hautverträglich. Der Wirkstoff dringt schnell in die Haut ein. Aber erst in der entzündeten Hautschicht entsteht durch biochemische Umwandlung die wirksame Form des Cortisons. Nach Entfaltung der Wirkung wird das Cortison schnell wieder inaktiviert, so dass bei kurzfristiger und sachgemäßer Anwendung keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. Auf innerliche Cortisonbehandlung sollte vor allem bei Kindern unter sechs Jahren möglichst verzichtet werden, da Cortison unter anderem zu Wachstumsstörungen führen kann.
  • Immunmodulatoren/Calcineurin-Inhibitoren: Mit den Wirkstoffen Tacrolimus und Pimecrolimus stehen zwei antientzündliche Medikamente zur Verfügung, die in ihrer therapeutischen Wirkung den ebenfalls stark entzündungshemmenden Cortisonsalben vergleichbar sind. Anders als Cortisonsalben führen sie jedoch auch bei längerer Anwendung nicht zu einer Hautverdünnung. Sie sind daher auch für besonders empfindliche Stellen an Gesicht und Hals geeignet. Tacrolimussalbe (Protopic) und Pimecrolimus Creme (Elidel) gibt es für Erwachsene und Kinder ab zwei Jahren. Der Wirkstoff Tacrolimus ist aus der Transplantationsmedizin bekannt, wo er zur Hemmung des Immunsystems eingesetzt wird.
  • Antibiotika: Vor allem an Kratzverletzungen kommt es leicht zu begleitenden bakteriellen Infektionen der Haut. Durch eine kurzfristige Behandlung mit Antibiotika wird die Infektion schnell bekämpft.
  • UV-Bestrahlung: Sonne oder eine gezielte Bestrahlung mit ultravioletter Strahlung (UV-A, UV-A-1, UV-B, UV-B 311nm) kann sich wohltuend auf die strapazierte Haut von Neurodermitikern auswirken. Bei Kindern und lichtempfindlichen Menschen ist die UV-Bestrahlung jedoch wegen eines möglicherweise erhöhten Hautkrebsrisikos nur begrenzt einsetzbar.
  • Klimatherapien: Stationäre Rehabilitationsmaßnahmen in Regionen mit Reizklima (Nord- oder Ostsee, Hochgebirge) können in vielen Fällen als Ergänzung zur Schulmedizin eine lang anhaltende Besserung der Symptome erzielen. Besonders die Kombination aus erhöhter UV-Strahlung und reiner, kühler, salzhaltiger Luft hilft oftmals, das Hautbild zu verbessern und das Immunsystem zu stärken. Ergänzend können Meerwasserbehandlungen (z.B. Ölbäder, Lotionen, Salben) zur Linderung der Symptome hilfreich sein.

Systemische Therapie

Bei schweren Verläufen einer Erkrankung, wenn die äußerliche Behandlung keinen Erfolg zeigt, die Haut großflächig erkrankt ist oder der Patient unter unerträglichem Juckreiz leidet, kann mitunter nur eine systemische Therapie, das bedeutet eine innerliche Therapie mit Tabletten oder Injektionen, den Hautzustand langfristig verbessern.


topische (äußerliche) Therapie Photo-, Klimatherapie systemische (innerliche) Therapie
lokal begrenzt größere Hautflächen großflächige Erkrankung
leichter Verlauf leichter bis mittelschwerer Verlauf Therapieresistenz
    mittelschwerer bis schwerer Verlauf

Zur Therapie von chronisch entzündlichen Hautkrankheiten, bei denen die Ursachen der Erkrankung auf eine Fehlsteuerung des Immunsystems zurückgeführt werden, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die in die krankhaften immunologischen Prozesse eingreifen. Dies gilt unter anderem für zwei der am häufigsten auftretenden Hauterkrankungen, Psoriasis und Neurodermitis.