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In dieser Broschüre soll erläutert werden, welche Ursachen einem chronischen Handekzem zugrunde liegen können, inwieweit weiterführende Untersuchungen angezeigt sind und wie ein Behandlungskonzept aussehen sollte. Damit wollen wir Ihnen zum einen helfen, dass Sie Ihr Krankheitsbild selbst besser einordnen können, zum anderen möchten wir Ihnen auch die Grundprinzipien der Behandlung beim chronischen Handekzem verständlich machen.


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Hauterkrankungen

Chronisches Handekzem

Krankheitsbild

Ein Handekzem ist eine Entzündung der Haut an den Händen, die nicht ansteckend ist. In der Regel geht diese Hautentzündung mit Bläschenbildung und ausgeprägtem Juckreiz, aber auch mit massiver Verhornung und schmerzhaften Einrissen einher.

Die verschiedenen Krankheitstypen des Handekzems lassen sich nach ihrem Schweregrad und Krankheitsverlauf unterscheiden. Diese Einteilung ist insbesondere für die Auswahl und Planung der Behandlungsmöglichkeiten wichtig.

  Leicht, mittelschwer, schwer und chronisch

Ein leichtes Handekzem heilt unter angemessener hautfachärztlicher Therapie und Mitarbeit des Patienten zügig ab. Mittelschwere Formen des Handekzems bleiben unter den gleichen Bedingungen über mehrere Wochen bestehen. Ein schweres Handekzem geht mit ausgedehnten, beständigen oder wiederkehrenden, vor allem aber für die Betroffenen stark beeinträchtigenden Hautkrankheitserscheinungen einher. Zwei bis vier Prozent aller Handekzempatienten leiden unter dieser schweren Form. Dauert ein Handekzem mindestens drei Monate oder tritt es in einem Zeitraum von 12 Monaten mindestens zweimal auf, so wird es als chronisches Handekzem eingestuft.

Das schwere und chronische Handekzem ist oft besonders hartnäckig gegenüber zahlreichen Behandlungsversuchen und damit außergewöhnlich belastend für die Betroffenen, nicht zuletzt auch durch die sichtbaren und stigmatisierenden Hautkrankheitserscheinungen.

Ursachen, Auslösefaktoren und genetische Veranlagung

Die Entzündung der Haut an den Händen kann verschiedene Ursachen haben. Selten ist bei einem Patienten nur ein einzelner Auslösefaktor für die Entwicklung eines Handekzems verantwortlich. Vielmehr scheint ein Zusammenspiel mehrerer äußerer und innerer Faktoren das Krankheitsgeschehen anzufachen. Umwelteinflüsse und eine erbliche Veranlagung sind maßgeblich daran beteiligt.

Abhängig von den vorrangigen Auslösefaktoren unterscheidet man das kumulativ-toxische, das kontaktallergische und das atopische Handekzem. Außerdem wird das Aussehen der kranken Haut beurteilt. Hier unterscheidet man zwischen Handekzemen, die durch juckende Bläschen gekennzeichnet sind (dyshidrosiformes Handekzem) und einer trockenen Ekzemform, bei der es zu schuppenden Hautveränderungen mit starker Verhornung und schmerzhaften Einrissen kommt (hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem).

  • Kumulativ-toxische Belastung
    Hautbelastende Tätigkeiten in Beruf, Hausarbeit oder Freizeit, bei denen die Hände wiederholt oder übermäßig mit Wasser oder hautreizenden Substanzen in Kontakt kommen (Feuchtarbeit), können die Hautschutzfunktionen schädigen und so das Entstehen einer Entzündung begünstigen. Gleiches gilt, wenn über einen längeren Zeitraum Schutzhandschuhe aus Gummi und ähnlichen Materialien getragen werden, da die Hände darunter deutlich schwitzen und so ein feuchtes Milieu aufrecht erhalten wird. Durch diese Störung der hauteigenen Schutzbarriere können hautschädigende und allergieauslösende Substanzen leichter eindringen. Damit steigt das Risiko für Kontaktallergien.
  • Schwere und chronische Handekzeme gelten als die häufigste berufsbedingte Hauterkrankung. Hier sollte frühzeitig eine berufsdermatologische Beratung durch den Hautarzt erfolgen.

    Eine europäische Studie zeigt, dass bei 28 Prozent der Patienten mit Handekzemen Arbeitsunfähigkeit vorlag, bei 12 Prozent bestand diese länger als 12 Wochen.

  • Kontaktallergien
    ontaktallergien spielen eine ganz wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Handekzemen. Kommt die Haut wiederholt in Kontakt mit einer Substanz, gegen die eine Allergie besteht, reagiert sie mit Entzündungszeichen. Solche Reaktionen treten nicht ausschließlich an den Händen auf. Bei zahlreichen Patienten sind auch die Füße von der Hautentzündung betroffen. Auslöser der Kontaktallergie können hier u. a. Substanzen sein, die bei der Schuhlederverarbeitung verwendet werden. Besonders relevant und problematisch sind Kontaktallergien für bestimmte Berufsgruppen, in denen häufig mit möglicherweise allergieauslösenden Arbeitsstoffen umgegangen wird, wie zum Beispiel bei Maurern oder Friseuren.
  • Atopisches Handekzem
    Handekzeme treten überdurchschnittlich oft bei Patienten auf, die unter Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergischem Asthma leiden. Diesen Krankheitsbildern ist gemeinsam, dass bei den betroffenen Patienten eine erbliche Veranlagung vorliegt, auf unterschiedlichste Umwelteinflüsse überempfindlich zu reagieren. In der Fachsprache wird diese individuelle erhöhte Reaktionsbereitschaft als Atopie oder atopische Veranlagung (Diathese) bezeichnet. Eine atopische Diathese geht neueren Erkenntnissen zufolge nicht selten mit einer erblich bedingten Störung der Hautschutzbarriere einher. Dies kann zu einer Schwächung der Widerstandskraft gegen hautreizende Substanzen und Feuchtigkeit führen. Zudem können allergieauslösende Substanzen leichter eindringen, so dass auch die Entwicklung einer Kontaktallergie begünstigt wird.

Diagnostik und sinnvolle Untersuchungen

Auch wenn es allgemein bekannte Hauptauslösefaktoren für Handekzeme gibt, so findet sich immer wieder bei einzelnen Betroffenen keine objektivierbare Erklärung für die Entstehung ihres chronischen Hand- und auch Fußekzems.

Um für jeden Betroffenen eine gezielte Therapie planen zu können, muss das chronische Handekzem individuell genau eingeordnet werden. Dabei helfen verschiedene diagnostische Schritte. Insbesondere eine weiterführende Allergiediagnostik kann sinnvoll sein, um Kontaktallergien oder eine erbliche (atopische) Veranlagung als Ursache des Handekzems zu bestätigen oder auszuschließen. Auch andere Hauterkrankungen, zum Beispiel eine Schuppenflechte oder eine Pilzinfektion, können sich an den Händen zeigen. Diese sollten ausgeschlossen werden. Meist können hier Krankheitsgeschichte und -verlauf und die entsprechenden Untersuchungen Aufschluss geben.

Zur Einschätzung der individuellen Hautbelastung des Betroffenen ist es sinnvoll und notwendig zu kontrollieren, wie oft und wie viel Hautkontakt zu Wasser, hautreizenden und allergieauslösenden Stoffen besteht. Diese Überprüfung sollte sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld durchgeführt werden.

Behandlungsplanung

Die Behandlung eines chronischen Handekzems kann für den Patienten und seinen behandelnden Hautarzt sehr aufwändig sein. Sie beruht auf gewissen Grundprinzipien.

  Hautpflegemaßnahmen und Hautschutz

Grundbausteine der Behandlung jedes Handekzemtyps und -schweregrads sind eine nachhaltige Basispflege und Rückfettung der Haut mit duftstoff- und konservierungsstofffreien Cremes und Salben. Angepasst an die individuelle Hautbelastung müssen die Hände zusätzlich zum Beispiel durch das Tragen von Baumwoll- oder allergenarmen Kunststoffhandschuhen geschützt werden. Diese Maßnahmen sind auch vorbeugend wirksam und sollten deshalb nach Abheilung eines Handekzems fortgeführt werden.

  Meidung der Auslösefaktoren

Entscheidend für den Behandlungserfolg ist es, dass alle wesentlichen Auslösefaktoren des chronischen Handekzems strikt ausgeschaltet und gemieden werden. Das bedeutet: keine hautreizende Schädigung, keine Feuchtarbeit, kein übermäßiger Wasserkontakt und kein Kontakt mit nachgewiesenen allergieauslösenden Substanzen. Dafür ist es wichtig, dass im Rahmen der Diagnostik die Ursachen des Handekzems abgeklärt und gegebenenfalls eine umfangreiche Allergiediagnostik durchgeführt wurde.

  Grundprinzipen der äußerlichen Behandlung

Die äußerliche Behandlung richtet sich unter anderem nach dem vorherrschenden Erscheinungsbild der Haut. Bei bläschenbildenden oder nässenden Krankheitsbildern (dyshidrosiforme Handekzeme) können austrocknende Maßnahmen wie Handbäder mit synthetischen Gerbstoffen oder fettfeuchte Umschläge den Juckreiz lindern. Liegt eine Verhornungsstörung mit Rissbildung (hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem) vor, ist das vorrangige Ziel, die Haut wieder weicher und geschmeidiger zu machen. Dazu werden Harnstoff- oder Salicylsäure-haltige Präparate angewandt.

Zur Linderung der Entzündung gelten bei der äußerlichen Handekzemtherapie kortisonhaltige Cremes und Salben als Mittel der Wahl. Diese können gut wirksam sein und gehen in der Regel bei richtiger Anwendung nicht mit bedenklichen unerwünschten Wirkungen einher. Da jedoch gerade schwere und chronische Krankheitsbilder häufig nicht so gut auf kortisonhaltige Präparate ansprechen, sind oft lang andauernde Behandlungszeiträume notwendig. Dies erhöht allerdings das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen wie zum Beispiel ein Dünnerwerden der Haut. Dies ist nicht erwünscht, weil dadurch mögliche hautirritierende oder allergieauslösende Stoffe leichter in die Haut eindringen und damit die Entzündungsreaktion weiter anstoßen beziehungsweise aufrechterhalten können. Im Einzelfall wird der Hautarzt entscheiden, ob besser kortisonfreie, antientzündliche Cremes oder Salben, die sogenannte Calcineurininhibitoren (z. B. Tacrolimus) enthalten, angewandt werden. Dies ist insbesondere bei der Behandlung atopischer Handekzeme eine Therapieoption.

  Systemische (innerliche) Behandlung

Vor allem schwere und chronische Verläufe des Handekzems bedürfen besonderer Aufmerksamkeit und benötigen zusätzlich zur Hautpflege und zum Hautschutz häufig auch eine innerliche Therapie.

Stufenweise Therapie bei Handekzemen
   
Systemische Therapie Kortison, Alitretinoin,
Ciclosporin
 
Therapie mit hochwirksamen kortisonhaltigen Salben, Lichttherapie, Alitretinoin
Basispflege, Hautschutzmaßnahmen, Meidung von Allergenen und hautreizenden Stoffen, angepasste äußere Therapie, Therapie mit kortisonhaltigen Salben
Leichtes Handekzem
Mittelschweres bis schweres Handekzem
Anhaltendes oder chronisch wiederkehrendes Handekzem

Die einzelnen Therapieschritte werden dem Krankheitsverlauf, der Krankheitsdauer und dem Schweregrad angepasst und bauen stufenweise aufeinander auf (Quelle: Leitlinie zum Management von Handekzemen, Deutsche Dermatologische Gesellschaft).

Prinzipiell kommen zur innerlichen Behandlung des chronischen Handekzems verschiedene Wirkstoffe in Tabletten- oder Kapselform in Frage. Im akuten, schweren Schub mit Bläschenbildung können kortisonhaltige Tabletten, auch in Kombination mit bestimmten Antibiotika, kurzfristig sehr hilfreich sein. Bei einem schweren, atopischen Handekzem kann der Wirkstoff Ciclosporin, der für die Behandlung der schwer ausgeprägten Neurodermitis zugelassen ist, eingesetzt werden. Es gibt einzelne Berichte, die die Wirksamkeit von weiteren Substanzen beschreiben, die meistens durch eine Herunterregulierung der körpereigenen Abwehrkräfte vermittelt wird. Diese Substanzen sind jedoch alle nicht für das Handekzem zugelassen.

Speziell für die systemische Behandlung des chronischen Handekzems ist erstmals seit November 2008 ein Medikament zugelassen. Dabei handelt es sich um eine Vitamin-A-verwandte Substanz, die auch natürlich im menschlichen Körper vorkommt. Dieser Wirkstoff kann die Entzündung lindern und die Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems abmildern. Er kann zur Behandlung von schweren Handekzemen aller Ursachen und Erscheinungsformen, die einen chronischen Krankheitsverlauf zeigen und auf äußerlich anzuwendende Kortisonpräparate nicht angesprochen haben, eingesetzt werden. Seine Wirksamkeit sowie Verträglichkeit beim schweren chronischen Handekzem wurden vor der Zulassung in umfangreichen klinischen Untersuchungen überprüft und nachgewiesen. Bei einer Studie mit über 1000 Patienten mit schwerem chronischen Handekzem wurde bei einer Gabe von 30 mg des Vitamin A-Abkömmlings bei knapp 50 Prozent der Patienten eine vollständige bzw. fast vollständige Abheilung erreicht.

Die Behandlungsdauer mit dem Medikament beträgt etwa drei bis sechs Monate. Klinische Studien haben gezeigt, dass etwa zwei Drittel der Patienten auch sechs Monate nach erfolgreichem Einsatz des Medikaments noch keinen Rückfall erlitten hatten. Dabei gilt als behandlungsbedürftiger Rückfall, wenn das Ekzem erneut 75 Prozent des Ausgangsbefundes erreicht.

  Ausblick

Im Einzelfall ist der individuelle Krankheitsverlauf bei einem chronischen Handekzem nicht vorherzusehen und meist von Patient zu Patient verschieden. Eine allgemeine Tendenz lässt sich hier nicht einfach ableiten und angeben. Sicher ist jedoch, dass mit einer angemessenen Ursachensuche, nachhaltiger Hautpflege und Hautschutzmaßnahmen, gegebenenfalls einer berufsdermatologischen Beratung und vor allem einer frühzeitigen, umfassenden, wenn notwendig auch innerlichen Behandlung ein günstiger Verlauf zu erwarten ist. Wichtig ist, dass betroffene Patienten mit Handekzem frühzeitig den Hautarzt für eine kompetente fachliche Beratung und Behandlung aufsuchen, damit schwere und langwierige Verläufe sowie eine belastende Beeinträchtigung für das Alltags- und Berufsleben vermieden werden können.