Special
Allergene in der Wohnung reduzieren
Allergenbelastung in den eigenen vier Wänden
Ob Fernsehen, Lesen oder Schlafen: Die meisten Menschen fühlen sich
in den eigenen vier Wänden am wohlsten. Auch Kinder verlassen zum
Spielen immer seltener die häusliche Umgebung. Bestens isoliert
und ausgestattet mit Klimaanlage und flauschigen Teppichen, bergen
Wohnräume aber auch eine Gefahr für die Gesundheit: Potenzielle
Allergenträger wie Hausstaubmilben und Schimmelpilze haben in den
letzten Jahren vermehrt Einzug in Haus und Wohnung gehalten. Auch
der Trend, auf engstem Raum mit einem Haustier zu leben, trägt zu
einer höheren Allergenbelastung bei. Als feine Schwebstoffe gelangen
die Allergene in unsere Atemwege und lösen bei allergisch veranlagten
Menschen Beschwerden aus.
Denn neben der genetischen Veranlagung, eine Allergie zu entwickeln,
spielen Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten eine große Rolle.
Je früher ein Mensch mit potenziellen Allergenen in Kontakt kommt,
desto höher ist außerdem sein Risiko, an Neurodermitis, Asthma oder
Heuschnupfen zu erkranken. Um Kindern eine „Allergie-Karriere“ zu
ersparen oder bereits bestehende Allergiebeschwerden zu lindern,
sollten Allergene weitestgehend gemieden werden. Sinnvoll ist es
deshalb, die Allergenmenge in der häuslichen Umgebung durch praktische
Maßnahmen und entsprechende Verhaltensregeln zu senken. Der zusätzliche
Aufwand lohnt sich: Sensibilisierungshäufigkeit, Krankheitssymptome
und damit auch der Bedarf an Medikamenten werden deutlich reduziert.
Was sind Allergene?
Allergene sind an und für sich harmlose
Umweltstoffe, die als Ausdruck
einer Fehlregulation des Immunsystems
eine allergische Erkrankung
auslösen können. Je nach Art der Aufnahme
unterscheidet man Inhalations-
Allergene (z. B. Tierhaar- und Hausstaubmilben-
Allergene), Nahrungsmittel-
oder Insektengift-Allergene.
Das Angebot an Geräten und Hilfsmitteln sowie die unterschiedlichen
Informationen zur Allergenreduktion im Wohnumfeld sind für die Betroffenen
oft unüberschaubar geworden. Viele Produkte versprechen mehr, als
sie halten, und sind zudem kostspielig. Unser Ziel ist es deshalb,
Betroffene und Angehörige umfassend über allergene Gefahren im Haushalt
aufzuklären sowie Vor- und Nachteile der einzelnen Maßnahmen aufzuzeigen.
Unliebsame Mitbewohner
Kaum hat man den Staub weggewischt, entsteht bereits neuer. Nimmt
man die grauen Flocken genauer unter die Lupe, enthalten sie eine
bunte Mischung allergen wirkender Stoffe. Manche werden – wie die
Blütenpollen – in den Wohnbereich hineingetragen, andere entstehen
direkt im Haus. Dazu gehören vor allem Bestandteile von Hausstaubmilben,
Tierhaaren und Schimmelpilzsporen. Als ungebetene Gäste lauern sie
in Betten und Vorhängen, lagern sich auf Teppichböden und Polstermöbeln
ab und haften an Haaren, Schuhen und Kleidung. Wird der Staub aufgewirbelt,
gelangen die feinen Allergene mit der Atemluft in unsere Lunge und
verursachen dort ihre entzündliche Wirkung.
Hausstaubmilben
Die Hausstaubmilbe fühlt sich überall dort wohl, wo es warm und feucht
ist. Optimal sind Temperaturen um die 25 Grad und eine relative Luftfeuchtigkeit
von 70 Prozent.
Kein Wunder, dass die Tiere vor allem im Schlafbereich
geradezu paradiesische Bedingungen vorfinden.
Bis zu 10 000 Milben pro Gramm Hausstaub leben in Kopfkissen, Bettdecke
und Matratze, wo zudem Nahrung im Überfluss vorhanden ist. Hier sammeln
sich neben Haaren, Textilfasern und Schimmelpilzenauch abgestoßene
Hautschuppen, von denen sich die Milben hauptsächlich ernähren. Die
winzigen Spinnentiere nisten aber auch gerne in Polstermöbeln, Teppichen,
Vorhängen und Plüschtieren.
Obwohl die meisten Hausstaubmilben mit Beginn der Heizperiode
durch die niedrige Luftfeuchtigkeit absterben, erreichen
die allergischen Beschwerden gerade dann ihren Höhepunkt.
Die allergieauslösenden Exkremente der Milben zerfallen,
werden als Feinstaub aufgewirbelt und mit der
Atemluft inhaliert. Da die Tiere auf Grund ihrer geringen
Größe mit bloßem Auge nicht zu sehen sind, stören sie den Hausfrieden erst, wenn allergische Symptome wie Niesanfälle,
Fließschnupfen oder Augentränen auftreten. In schwer
wiegenden Fällen kann eine Hausstaubmilben-Allergie zu
Asthma bronchiale führen. Insbesondere bei Kindern mit allergisch
bedingtem Asthma gelten die Allergene der Hausstaubmilbe
als Hauptauslöser. So zeigen Studien zufolge 80
Prozent der asthmakranken Kinder eine Sensibilisierung gegen
den Kot der Milben. In einer milbenarmen Umgebung
kommt es dagegen rasch zu einer Besserung der Symptome.
Schimmelpilze
Ähnlich wie Hausstaubmilben wachsen auch Schimmelpilze
bevorzugt an Orten,wo es feucht ist. Typische Schimmelpilzquellen
in Wohnungen
sind deshalb feuchte Mauern,
feuchte Stellen hinter
Tapeten und Textilien, Holzverschalungen
und Kachelwänden,
darüber hinaus
Klimaanlagen, Matratzen,
Polstermöbel, Zimmerpflanzen
(v. a. Hydrokulturen) und
Luftbefeuchter. Mit höheren
Konzentrationen von Schimmelpilzsporen
ist unter anderem
in schlecht gelüfteten
Räumen zu rechnen, außerdem
in Räumen mit einer
generell höheren Luftfeuchtigkeit
(Bad, Küche). Wenn
der Schimmel erst einmal in
den Wänden sitzt, können einige Schimmelpilze bis zu 20
Millionen Sporen pro Minute bilden.
Die Allergene sind nicht die Pilze selbst, sondern ihre Sporen, die
zur Fortpflanzung in die Luft abgegeben und vom Wind verbreitet werden.
Diese Pilzsporen oder auch Bruchstücke von Schimmelpilzorganismen
können, wenn sie eingeatmet werden, allergische Reaktionen auslösen.
Die möglichen Beschwerden sind vielfältig und reichen von allergischen
Augen- und Nasenbeschwerden bis hin zu ausgeprägten asthmatischen
Reaktionen. Die durch Schimmelpilzsporen ausgelösten Krankheitssymptome
können sowohl ganzjährig als auch saisonal auftreten.
Tierhaare
Ob der Hund im Bett, die Katze auf dem Sofa oder das Meerschweinchen
im Kinderzimmer: Immer mehr Menschen verbringen heutzutage ihr Leben
in engstem Kontakt mit einem Haustier. So ist es nicht verwunderlich,
dass Tierhaar- Allergien in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen
haben. Am häufigsten sind Allergien gegen Katzen und Nagetiere wie
Meerschweinchen, Kaninchen oder Hamster.
Die Bezeichnung „Tierhaar-
Allergie“ ist jedoch
irreführend, da der Körper
nicht auf die Haare
selbst allergisch reagiert,
sondern auf Proteine
in Hautschuppen
oder auf Reste von
Schweiß, Talg, Speichel,
Kot oder Urin, die an
den Haaren haften. Diese
Partikel werden mit
den Haaren und dem Staub in der Luft verbreitet und gelangen
so auf die Schleimhäute von Augen, Nase oder Bronchien.
Liegt eine Überempfindlichkeit vor, verursachen sie
eine allergische Reaktion im Sinne von allergischem
Schnupfen, Asthma oder einer Bindehautentzündung. Etwa
jeder dritte Tierhalter entwickelt mittlerweile eine Tierhaar-
Allergie.
Nicht immer ist der Auslöser für die Allergie gleich ersichtlich.
Manche Allergiker haben selbst keine Tiere, reagieren
aber auf Haustiere von Nachbarn oder Freunden. Bei entsprechend
hoch sensibilisierten Tierhaar-Allergikern kann
es sogar schon dann zu gesundheitlichen Beschwerden
kommen, wenn sie einen Raum betreten, in dem sich vorher
ein Tier befand. So etwa können Katzenhaar-Allergene
auf Grund ihrer guten Schwebeeigenschaft mehrere Monate
in der Luft bleiben.
Vorsicht
ist für einen Tierhaar-
Allergiker auch bei Kleidungs-
und Einrichtungsgegenständen
aus Tierhaaren
geboten. Denn auch
Felle, Kleidungsstücke, Teppiche
und andere Gegenstände,
die aus Tierhaaren
gefertigt sind, können deren
Allergene enthalten
(z. B. Kamelhaarmäntel,
Rosshaarmatratzen, Teppiche
aus Tierfell).
Pollen
Wenn im Frühling die ersten
Blüten sichtbar werden, beginnt
für viele die schönste
Zeit des Jahres. Doch mit
steigender Temperatur
schwirren zunehmend auch Pollen windblütiger Pflanzen
durch die Luft. Mit der Außenluft gelangen sie durch offene
Fenster und Türen in die häusliche Umgebung und
sammeln sich auf Möbeln, in Gardinen und auf Teppichen
an. Doch nicht nur der Wind trägt die feinen Pollenkörner
in Haus und Wohnung, auch wir selbst schleppen Pollen-
Allergene an Schuhen, Kleidung und Haaren von draußen
ein. Nicht zu vergessen: Auch Hunde und Katzen sind
optimale Pollenfänger.
So beginnt für viele mit den ersten Sonnenstrahlen die
Saison der Niesanfälle, des Fließschnupfens und der Bindehautentzündungen.
Etwa 15 Prozent der Bevölkerung
leiden unter einer allergischen Rhinitis, der Pollen-Allergie.
Ausgelöst werden die allergischen Beschwerden hauptsächlich
durch Pollen von Bäumen, Sträuchern, Gräsern
und Kräutern. Auf Grund ihrer winzigen Größe sind sie
ideale Allergenträger und gelangen über die Luft auf die
Schleimhäute der Augen und Atemwege und lösen ähnliche
Beschwerden wie bei einer Hausstaubmilben- oder
Tierhaar-Allergie aus.